Arzneimitteltherapiesicherheit

Unerwünschte Ereignisse durch Medikationsfehler sind ein führender Grund für Unfälle und Schädigungen stationärer Patienten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat deshalb mit dem „High 5s“-Projekt die Medikationssicherheit als eines von fünf vordringlichen Handlungsfeldern zur Steigerung der Patientensicherheit ausgerufen. An der Charité ist die nachhaltige Erhöhung der Arzneimitteltherapiesicherheit zentraler Bestandteil einer qualitativ hochwertigen und sicheren Versorgung von Patienten.

 

Das klinische Qualitäts- und Risikomanagement widmet sich dem Thema Arzneimitteltherapiesicherheit auf prozessualer Ebene und standardisiert, optimiert und digitalisiert sukzessive Schritte der Arzneimittelverordnung und Arzneimittelversorgung im stationären und ambulanten Behandlungskontext.

 

Durch den Einsatz einer modernen digitalen Medikationssoftware können unerwünschte Arzneimittelinteraktionen und medikamentöse Inkompatibilitäten (z.B. aufgrund von bestehenden Allergien) erkannt werden. Eine Dosisplausibilisierung durch Verknüpfung mit Informationen aus weiteren klinischen Subsystemen (z.B. auf Leber- oder Niereninsuffizienz hindeutende Laborwerte) sowie die Darstellung wirkstoffgleicher Präparate der Hausliste zur verbesserten Bestell- und Versorgungslogistik helfen den ÄrztInnen bei ihrer täglichen Arbeit und tragen zu einer Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit bei. PatientInnen können mithilfe dieser Medikationssoftware umfassend und verständlich über die erhaltene Medikationstherapie informiert werden. Die strukturierte und automatische Übernahme von Medikationsdaten in den Arztbrief verbessert die Qualität der Informationsübertragung an den sektoralen Schnittstellen der Gesundheitsversorgung.

 

Der Einsatz der digitalen Medikationssoftware wird gemeinschaftlich von ExpertInnen des Instituts für Klinische Pharmakologie und Toxikologie, der Charité-Apotheke, der Arzneimittelkommission der Charité, des Geschäftsbereichs IT und MitarbeiterInnen des Klinischen Qualitäts- und Risikomanagements betreut und koordiniert. Mit dem Ziel der vollständigen digitalen Patientenakte wird derzeit eine elektronische Patientenkurve entwickelt, welche die volldigitale Abbildung der Medikation als „closed loop“ ermöglicht.

 

Für das wichtige Thema der rationalen Antibiotikatherapie ist an der Charité darüber hinaus eine Fachberatung der Kliniken als „Antibiotic Stewardship“ etabliert worden. Für KollegInnen des ambulanten, hausärztlichen Sektors bietet das Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Charité in Zusammenarbeit mit dem Hasso-Plattner-Institut einen innovativen und kostenfreien Online-Kurs zum Thema „Rationale Antibiotikatherapie in der hausärztlichen Versorgung“ an (siehe Link unten). 

Ansprechpartner

Nils Löber