Einleitung

In diesem Jahr veröffentlichen die IQM Mitgliedskliniken zum wiederholten  Mal vollständig ihre Listen der IQM Qualitätsindikatoren. Damit folgen wir den IQM Prinzipien, die Ergebnisqualität der medizinischen Behandlung wichtiger Krankheitsbilder transparent darzustellen, um hiermit einerseits eine Orientierungshilfe zur Beurteilung der medizinischen Behandlungen zu geben, andererseits aber gezielt Verbesserungspotentiale aufzuzeigen, die es den Kliniken erlauben, ihre Qualität kontinuierlich zu steigern. Von entscheidender Bedeutung ist für uns, dass auffallende Werte mit der Hilfe von Fachkollegen aus anderen IQM Kliniken gemeinsam analysiert werden können, um aus diesen Erkenntnissen ganz konkrete Schritte zur Verbesserung des Behandlungsergebnisses abzuleiten (“peer review“). Gerade dieses Streben nach kontinuierlicher Qualitätsverbesserung, in einer offenen, ehrlichen und lösungsorientierten Kultur untereinander die besten Strategien zur optimalen Qualität der medizinischen Behandlung zu entwickeln, charakterisiert den IQM Ansatz.


„Eine offene Fehlerkultur braucht Kritikfähigkeit, Selbstbewusstsein und Mut. IQM ist ein Club der Mutigen“
Dr. Francesco De Meo, Präsident des Vorstandes der Initiative Qualitätsmedizin

Leseanleitung zu den Qualitätsindikatoren

Beim nachfolgenden Qualitätsindikator „Todesfälle bei Hauptdiagnose Herzinsufffizienz (Alle Patienten > 19 Jahre)“ liegt der Wert der durchschnittlichen Krankenhaussterblichkeit in der Bundesrepublik bei 9,0% (Quelle: Statistisches Bundesamt 2013). Daraus ergibt sich rechnerisch für die Charité, aufgrund des Alters und Geschlechts der Patientinnen und Patienten des Jahres 2015, eine zu erwartende Krankenhaussterblichkeit von 6,9% als Erwartungswert (4. Spalte). Ziel der IQM Mitgliedskliniken ist es, im Ergebnis unter diesem Erwartungswerten zu liegen. Der für die Charité tatsächlich gemessene Ist-Wert betrug im Jahr 2015 nur 4,2% und lag damit unter dem Klinik Erwartungswert für den Qualitätsindikator „Todesfälle bei Hauptdiagnose Herzinsuffizienz“. Der Durchschnittswert aller IQM Mitgliedskliniken liegt bei diesem Indikator bei 7,6%. Erwartungswerte sind nur dann in der Ergebnisübersicht angegeben, wenn sie aus dem Material des Statistischen Bundesamtes zu errechnen waren.

Des Weiteren besteht die Möglichkeit sich die Ergebnisse aus dem Vorjahr (hier: 2014) anzeigen zu lassen, dazu ist die Jahresangabe einfach zu ändern.

Stand 28.4.16

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Grafik: Zweites Indikatorenset zur Herzinsuffizienz im Modul Herzerkrankungen

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Die Indikatoren

Die von IQM verwendeten German Inpatient Quality Indicators (G-IQI) sind so ausgewählt, dass sie sowohl häufige und wichtige Krankheitsbilder abbilden, wie etwa Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Schlaganfall und Lungenerkrankungen, als auch wichtige Verfahren umfassen, wie etwa Gallenblasenoperationen, Leisten-, Schenkel-, oder Nabelbruch, große Operationen im Bereich des Verdauungstraktes, Gefäßoperationen, gynäkologisch und geburtshilfliche Eingriffe, orthopädisch – unfallchirurgische und urologische Operationen. Außerdem werden mit den Indikatoren zur Beatmung und Sepsis zwei komplexe Behandlungsabläufe aus dem Bereich der Intensivmedizin erfasst. Darüber hinaus sind alle Indikatoren aus den Routinedaten des Krankenhauses ohne zusätzliche Dokumentation erhoben, was neben der Minimierung des Aufwandes den weiteren Vorteil hat, dass diese Daten sich des subjektiven Einflusses einer Zusatzdokumentation entziehen.

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Was wird gemessen?

Hierbei unterscheiden wir absolute Mengeninformationen
- bei Krankheitsbildern, von denen wir wissen, dass eine Mindestfallzahl für die Qualität wichtig ist (Lungenkrebs, Brustkrebs, Brustoperationen, Prostatakrebs).

von relativen Mengeninformationen
- bei den Krankheitsbildern oder Operationen, bei denen ein gewisser Anteil nicht über- oder unterschritten werden sollte (bspw. Anteil bestimmter schonender Operationsverfahren an der Galle oder im Bereich der Gynäkologie und Geburtshilfe).

Wesentlicher Messwert ist aber auch die Sterblichkeit bei verschiedenen Krankheitsbildern und Verfahren, auch wenn wir uns bewusst sind, dass eine gewisse Sterblichkeit im Krankenhaus auch bei bester Medizin nicht vermeidbar ist. Deswegen vergleichen wir die Sterblichkeiten, wo verfügbar, mit bundesdurchschnittlichen Werten. Diese werden entweder aus Daten des Statistischen Bundesamtes oder aus Daten des Forschungsdatenzentrums der statistischen Ämter des Bundes und der Länder berechnet.

Mit den Daten des Statistischen Bundesamtes wird eine Risikogewichtung für das Alter und das Geschlecht der behandelten Patienten möglich, weil auch die Bundesdaten nach Alter und Geschlecht getrennt publiziert werden. Es ist verständlich, dass eine Klinik mit einem hohen Anteil sehr alter Patienten eine andere Sterblichkeit aufweist, als eine Klinik mit vergleichsweise jungen Patienten.

Als wesentliche Orientierungshilfe zur Einordnung der Ergebnisse dient der Erwartungswert, weil er besagt, welche Sterblichkeit bei einer Patientengruppe gleicher Alters- und Geschlechtsverteilung im Bundesdurchschnitt zu erwarten wäre. Insofern ergeben sich für unterschiedliche Kliniken individuelle Erwartungswerte, da Unterschiede in der Alters- und Geschlechtszusammensetzung der behandelten Patienten bestehen. Ziel der IQM Kliniken ist es, „bessere“ als die erwarteten Werte aufzuweisen.

Die Beziehung zwischen erwarteter Sterblichkeit und dem tatsächlichen Wert der Klinik nennt man wissenschaftlich “standardized mortality rate“ oder kurz „SMR“. Liegt diese Quote unter 1 dann ist die tatsächliche Sterblichkeit in der Klinik geringer als die zu erwartende, liegt sie über 1 ist die Sterblichkeit höher als eigentlich erwartet. Ein solcher Wert ist lediglich bei den Indikatoren errechenbar, bei denen die zu erwartende Sterblichkeit aus den Daten des Statistischen Bundesamtes ermittelt werden kann. Liegen keine alters- und geschlechts-gewichteten Werte für einen Indikator vor, kann auch kein Erwartungswert errechnet werden. Bei diesen Indikatoren nutzt IQM Bundesdurchschnittswerte als Referenzwerte, die aus Daten des Forschungsdatenzentrums der statistischen Ämter des Bundes und der Länder ausgewertet werden. Hier ist es das Ziel aller IQM Kliniken „besser“ zu sein als der entsprechende Bundesdurchschnittswert.

Wir sind uns ebenso bewusst, dass die Sterblichkeit bei manchen Indikatoren ein ausgesprochen seltenes Ereignis ist und nicht als alleiniger Nachweis der medizinischen Qualität gelten darf. Dennoch messen wir auch im “low risk“ Bereich die Sterblichkeit, weil wir fest davon ausgehen können, dass wir in der nachfolgenden Analyse in diesen seltenen Ereignissen wichtige Potentiale sehen, unter denen die eigentliche Breite der verschiedenen diagnostischen und therapeutischen Prozesse sichtbar und auch für den seltenen Einzelfall verbesserbar wird.